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Die erste Sekundarschule im Kanton Bern entsteht

1833

Dass wirtschaftlicher Fortschritt durch gebildete Menschen ermöglicht wird, das wusste man in Langenthal schon im 18. Jahrhundert, als der Ort vor allem dank der Textilproduktion und dem Textilhandel zu einem der reichsten und schönsten in Europa geworden war. Zur Bildung der Jugend war damals mit Jakob Eggen ein aussergewöhnlicher Schulmeister engagiert worden. Unter seinen Fittichen wurde gerechnet, gezeichnet und auch musiziert. Ein ganzheitlicher Unterricht sollte auf die durch Handel und aufkommende Industrie neu entstehenden Berufe vorbereiten. Das Fallen der feudalen Schranken in der Helvetik eröffnete der geistigen und wirtschaftlichen Elite im Dorf neue Perspektiven. Exponent dieser Elite war Johann David Mumenthaler (1772- 1838). Zunächst amtete er als Schreiber der neuen Munizipalität, später stand er der Gemeinde bis 1817 als Ammann vor. Dass Mumenthaler ein grosser Bildungsförderer im Dorf war, dokumentiert das Aquarell über das Schulfest von 1812, welches ihm gewidmet wurde. Mumenthaler war auch ein glühender Verehrer Pestalozzis. In einem Brief vom 5. September 1801 schrieb er Pestalozzi von seinen pädagogischen Reformbemühungen in Langenthal und zeigte sich in Bezug auf die pädagogische Literatur auf der Höhe der Zeit. Zudem wirkte in Langenthal mit J. Maurer ein Privatlehrer, der an Pestalozzis Institut in Burgdorf ausgebildet worden war. Auch dieser stand im Briefkontakt mit Pestalozzi und berichtete ihm von der Wirkung der neuen Lehrmethoden auf dem Land Der Schul- und Bildungseifer blieb in Langenthal auch nach dem Zusammenbruch der Helvetik wach. 1804 forderte der amtliche Schulkommissär die Gemeinden im neuen Amtsbezirk auf, in den Landschulen die Methode Pestalozzis einzuführen und den Bibelunterricht durch die Vermittlung von geographischen, historischen, physikalischen und auch ökonomischen Kenntnissen zu ergänzen. In Langenthal nahm Bleicher Zulauf, der helvetischer Senator gewesen war, diesen Impuls auf und spendete eine grosse Summe zur Errichtung einer neuen, besseren Schule. 1812 erfolgte mit dem dargestellten Schulfest der Start zur sogenannten Rytz' schen Burgerschule (benannt nach dem Lehrer Johann Gottlieb Rytz). Sie sollte die Kinder der bürgerlichen Eliten Langenthals lebenstüchtig machen und sie auf das berufliche Leben in Handel und Gewerbe vorbereiten. Neben der Rytz-Schule entstand ein besonderes Mädcheninstitut, in dem junge Frauen zum Führen eines bürgerlichen Haushalts vorbereitet wurden. Die Mädchen des Instituts sind im Bericht über das erste eidgenössische Offiziersfest, welches 1822 in Langenthal stattfand, lobend erwähnt, und Friedrich Traffelet verewigte sie in seinem Wandbild im Hotel Bären.

In Langenthal führte der politische Umschwung von 1831 dazu, dass die Privatschule zwei Jahre später mit der Gründung der Sekundarschule zur öffentlichen Schule wurde. Die 1832 gebildete Schulkommission nahm es ernst, stellte einen ersten Lehrplan auf und engagierte mit August Hollmann einen Schüler des deutschen Reformpädagogen Friedrich Fröbel als ersten Sekundarlehrer. Als dieser begann, Religionslehre durch Sittenlehre zu ersetzen, und die Schule nicht mehr in der christlichen Religion, vielmehr in der Philosophie des Idealismus (Fichte/Schelling) zu verwurzeln, wurde er von Pfarrer Franck als Atheist verschrien. Hollmann musste die Schule schon nach einem Jahr verlassen. Mit seinem Nachfolger, Dr. Johann Bapitist Bandlin, begannen an der Sekundarschule zwei eigentliche Pestalozzijahre . Der Bündner Bandlin, ursprünglich Jurist und Anwalt, war ein glühender Verehrer Pestalozzis. In Yverdon war er unter Pestalozzis Nachfolger Niederer zum Institutsleiter aufgestiegen. In seinem, unmittelbar vor dem Amtsantritt in Langenthal veröffentlichten Werk "Anleitung zum Unterricht in der Vaterlandskunde" gab er Gedanken Raum, die Pestalozzi auch in seiner Langenthaler Rede entfaltet hatte: "Wer seine Heimat nicht kennt, die er sieht, wie will er die Fremde kennen lernen die er nicht seht." Dieses Diktum war das Motto von Bandlins Buch und später auch von dessen Wirken in Langenthal an der Sekundarschule.


Weiterführende Literatur:
  • J.R. Meyer: 100 Jahre Sekundarschule Langenthal, Langenthal 1933
  • S. Kuert: Pestalozzi und Langenthal, in: Jahrbuch des Oberaargau, 2009


Dieser Text wurde von Langenthals Stadtchronisten zusammengestellt.


Bild:
Schulfest von 1812, Aquarell von H.P. Lehr

Schulfest von 1812, Aquarell von H.P. Lehr
 

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