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Leuenberger Gertrud, Lyrikerin

 

"Mein Elternhaus hat eine seltsame Geschichte. Man erzählt, dass es hinten im Kandertal, am Blausee, erbaut und dort von einem Langenthaler Papeteristen entdeckt worden war. Er kaufte es, liess es abbrechen und an der Haldenstrasse, die damals ein bescheidenes Fussweglein war, wieder aufstellen. Da stand es nun, mutterseelenallein am Schorenhoger, inmitten von Wiesen, und schaute über fast unbebaute grüne Matten, gegen das Dorf, weit jenseits des Geleises der pustenden und rauchenden Huttwilbahn, die damals, liebevoll spöttisch ‹Huttuschnägg› genannt wurde. Zwei Jahre später kaufte es mein Vater und zog im Frühling 1921 mit seiner Familie aus Sämi Geisers Stöckli ins eigene Heim. Aus dem jungfräulichen Boden wucherten mächtige Sonnenblumen, unter deren Laub ich wie ein Zwerglein erschien."

So beginnt Gertrud Leuenberger ihre Erinnerungen an das Haus, in dem sie 1921 geboren wurde. Ihr Vater, Traugott Keller, war Zeichnungslehrer an der Sekundarschule Langenthal und bereicherte auch als Musiker das Langenthaler Kulturleben. Sein allzu früher Tod hat die Tochter getroffen. Nach dem frühen Tod des Vaters richtete die Mutter im Haus an der Haldenstrasse eine Pension ein und vermietete die Zimmer vorwiegend jungen Lehrern. Einer unter ihnen war auch Gertruds späterer Gatte Willy Leuenberger. Nach einer glücklichen Jugend- und Schulzeit besuchte sie das Seminar Monbijou in Bern. Nach der Patentierung im Frühling 1940 kehrte die junge Lehrerin wieder an die Haldenstrasse zurück. «In dem kleinen Raum, der heute noch mein Refugium ist, richtete ich mir mit alten Möbeln und Vorhängen eine Bude ein und nahm in Langenthal und der näheren Umgebung Stellvertretungen an.» 1942 heiratete Gertrud Willy Leuenberger, der in der Zwischenzeit eine Anstellung als Sekundarlehrer erhalten hatte. In der Folge betätigte sie sich als Ehefrau und Mutter zweier Töchter, sie pflegte Haus und Garten, beobachtete die Natur und deutete das Geschehen in ihr. Dem Erlebten gab sie bald eine Sprache indem sie Gedichte verfasste. Auch Schicksalsschläge verarbeitete sie mit ihrer feinen Lyrik. Die schönsten ihrer Gedichte haben die nach 1961 alle drei Jahre erscheinenden Langenthaler Heimatblätter bereichert. Die dichtende Frau und Mutter hat sich für das«Dorf», wie man Langenthal zu ihrer Zeit sagte, auch sozial und kulturell engagiert. Sie hat im Frauenverein viel Gemeinnütziges geleistet. Die Bibliothekskommission, die Vormundschaftskommission und auch die Verkehrskommission bereicherte sie mit überlegten Beiträgen und ihren feinen, manchmal unverblümten Humor liess sie beim Verfassen von Schnitzelbänken bei verschiedenen Gelegenheiten wirken.
Dort im Haus, wo sich im Garten das einjährige Mädchen unter den Blättern der Sonnenblumen verloren hatte, dort lebte Gertrud nach dem Tod ihres Gatten noch 15 Jahre allein. Am 19. Oktober 2004 ist sie gestorben.

In der verdämmernden Nacht,
als alle noch schliefen,
weinte der erschöpfte Sommer
Tränen des Abschieds
Ins Spinnennetz.

Literatur
Natur und Zeit. Zur Langenthaler Lyrikerin Gertrud Leuenberger, Oberaargauer Jahrbuch 2013 (Simon Kuert).

Dieser Text wurde von Langenthals Stadtchronisten zusammengestellt.

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