Rückzug des SC Langenthal aus dem Profisport

7. Dezember 2022
Der SC Langenthal zieht sich auf Ende der laufenden Spielzeit 2022/23 aus dem Profisport zurück und richtet sich künftig auf die sportlichen Aktivitäten im Amateurbereich aus. Das Projekt für eine neue Eishalle im Hard wird nicht weiterverfolgt. Der Gemeinderat will den Eissport in Langenthal aber erhalten und fördern und entwickelt dafür die Eishalle in Schoren weiter.

Der Verwaltungsrat und die Hauptaktionäre des Eishockey-Traditionsclubs SC Langenthal haben übereinstimmend entschieden, sich auf Ende der laufenden Spielzeit 2022/23 aus der Swiss League und somit aus dem Profisport zurückzuziehen. Damit beendet der SC Langenthal den im Sommer 2022 initiierten Strategieprozess nach eingehender Prüfung aller möglichen Optionen und Szenarien im Bereich des sportlichen Betriebs und der dazu notwendigen finanziellen Mittel. Mit der aktuellen Eishalle Schoren und der fehlenden Perspektive eines Stadionneubaus kann der SC Langenthal den Sportbetrieb in der Swiss League nicht aus eigener Kraft finanzieren, was wiederum zu einer regelmässig defizitären Jahresrechnung führt.

Der SCL wird sich künftig auf den Amateurbereich konzentrieren und voraussichtlich kommende Saison in der MyHockey League, der dritthöchsten Spielklasse im Schweizer Eishockey, spielen. Die Bereiche Damen- und Nachwuchsförderung bleiben bestehen. Für den Nachwuchsbereich haben der SC Langenthal und der SC Bern ab der kommenden Saison eine Partnerschaft für die Bereiche Trainings-, Spiel und Ausbildungsmöglichkeiten vereinbart.

Für die Neuausrichtung des SCL wird vom Verwaltungsrat eine Taskforce unter der Leitung von Mischa von Gunten (VR-Mitglied SCL AG und VRP SCL Nachwuchs AG) gebildet. Diese Taskforce wird die künftige Organisation des Eishockeysports in Langenthal aufgleisen und die Saison 2023/24 im Amateurbereich vorbereiten. Der bisherige Verwaltungsrat rund um VR-Präsident Gian Kämpf führt den Club bis zum Ende der laufenden Saison (April 2023) in der Swiss League weiter und wird sich nach der Spielzeit 2022/23 aus sämtlichen Funktionen beim SCL zurückziehen.

Umfassende Situationsanalyse führte zur Strategieanpassung
Bereits im Sommer 2022 haben der Verwaltungsrat und die Hauptaktionäre des SCL einstimmig entschieden, eine umfassende Analyse zur Zukunft des SC Langenthal und der seit langer Zeit laufenden Gespräche für ein neues Nationalliga-Eishockeystadion in Langenthal zu erarbeiten. Die Ergebnisse zeigten deutlich auf, dass der professionelle Betrieb in der Swiss League ohne entsprechende Eissportinfrastruktur und ohne zusätzliche finanzielle Mittel nicht garantiert werden kann. In der Folge hat der Verwaltungsrat verschiedene Optionen für das Weiterbestehen des SCL eingehend geprüft. Dabei wurden die Möglichkeiten einer Fusion mit einem anderen Swiss League Club genauso geprüft, wie eine alternative Swiss League-taugliche Spielstätte in der Region. Der Verwaltungsrat beurteilte diese und weitere Optionen als nicht in nützlicher Zeit realisierbar oder als nicht finanzierbar. Er hat sich deshalb entschieden, den Fokus auf das Weiterbestehen des Breitensports Eishockey in Langenthal selbst zu setzen. In der Konsequenz wird sich der seit 20 Jahren in der zweithöchsten Liga positionierte Eishockeyclub aus dem Profisport zurückziehen und sich künftig auf den Amateursport konzentrieren.

Das Projekt für eine neue Eishalle im Hard wird nicht weiterverfolgt
Leider ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, das passende Opportunitätsfenster für das Neubauprojekt einer nationalligatauglichen Eissporthalle für Langenthal zu finden. In den vergangenen Wochen kam der Gemeinderat zum Schluss, dass die Erfolgsaussichten für ein neues Eisstadion aus verschiedenen Gründen gering sind.

Zur Aufrechterhaltung des Angebots für den Nachwuchs- und Breitensport und zur Sicherstellung des Betriebs in der Eishalle Schoren hat der Gemeinderat Sofortmassnahmen ergriffen und erarbeitet nun eine Vorlage zu Händen des Stadtrats zur Sicherstellung einer Übergangsfinanzierung.

Die Stadt will den Eissport in Langenthal erhalten und fördern und entwickelt dafür die Eishalle in Schoren weiter
Der Gemeinderat will den Eissport in Langenthal dennoch auch in Zukunft aufrechterhalten und fördern sowie die dazu notwendige Infrastruktur bereitstellen. Die Stadt engagiert sich verstärkt auch finanziell. Der Eissport in Langenthal soll am bestehenden Standort in Schoren gesichert und weiterentwickelt werden. Eine langfristige Lösung in Schoren wird umgehend an die Hand genommen. Es wird angestrebt, den Stimmberechtigten bis im Jahr 2025 eine abstimmungsreife Vorlage zur Weiterentwicklung der Eishalle in Schoren zu unterbreiten.
Als sofortige Unterstützungsmassnahmen zum Erhalt des Eissports in Langenthal fasste der Gemeinderat die folgenden Beschlüsse:
▪ Der SC Langenthal wird für die Saison 2023/2024 zusätzlich und einmalig mit CHF 150'000 zur Finanzierung der Eismieten unterstützt.
▪ Der Gemeinderat erarbeitet eine Vorlage zu Händen des Stadtrates für eine Finanzierung der Eismieten der 1. Mannschaft für die Saisons 2024/2025 und 2025/2026.

Das Büro des Gemeinderates als Projektorganisation, unter der Leitung von Vizestadtpräsident Markus Gfeller, stellt mit der Kunsteisbahn Langenthal AG und in Absprache mit dem SC Langenthal die konkrete Umsetzung der Beschlüsse sicher und leitet die notwendigen Abklärungen und Schritte zur Entwicklung der Eissportinfrastruktur in die Wege.

Hauptaktionäre garantieren finanzielle Unterstützung für die laufende Saison 2022/23
Um ein nachhaltiges Fortbestehen für den SC Langenthal sicherzustellen, garantieren die heutigen Hauptaktionäre die finanzielle Basis in der Höhe von über CHF 1 Mio. für eine reguläre Weiterführung der laufenden Spielzeit 2022/23 in der Swiss League. Damit sind alle budgetierten Ausgaben wie Löhne, Mieten und weitere Kosten sowie die Rückführung des Covid-Kredits bis zum Ende der laufenden Saison gedeckt. Zusätzlich äusserten sich die Hauptaktionäre dahingehend, dass sie bereit sind, dem noch zu reorganisierenden Club in der Anfangsphase im Rahmen eines Sponsoring-Engagements finanziell zu helfen, damit die Neuausrichtung im Bereich des Eishockeysports in Langenthal erfolgreich starten kann. Für die Ausarbeitung der Pläne und die Herbeiführung der notwendigen organisatorischen Änderungen setzt der Verwaltungsrat eine Taskforce ein. Diese Taskforce nimmt ihre Arbeit sofort auf und wird zu gegebenem Zeitpunkt über die Umsetzung der Neuausrichtung im Detail informieren.

Stimmen aus dem SCL-Verwaltungsrat und der Stadt Langenthal
Der vom SCL-Verwaltungsrat gefällte Richtungsentscheid dient der Fortführung einer in den letzten 10 Jahren beispiellosen Erfolgsgeschichte im schweizerischen Eishockeysport. Der SCL wurde sukzessive professionalisiert und erreichte seinen sportlichen Höhepunkt in den Saisons 2012, 2017 und 2019 mit dem Gewinn der Meisterschaft auf zweithöchster Stufe im Eishockey in der Schweiz sowie 2018 und 2019 mit der jeweiligen Auszeichnung zum besten Ausbildungsclub auf Stufe «Ambition Label» und 2022 mit dem Aufstieg des Damenteams in die SWHL A.

Der Verwaltungsrat bedauert, dass sich die Rahmenbedingungen für den Eishockeysport auf Profistufe in den letzten Jahren deutlich verändert haben. Als Vertreter der Hauptaktionäre zeigt sich Hans-Christian Schneider dennoch zuversichtlich für die Zukunft des Breitensports Eishockey in Langenthal: «Wir haben nun eine Lösung gefunden, damit der Eishockeysport in Langenthal eine Zukunft hat; wenn auch in einer etwas neuen bescheideneren Form.» Der Langenthaler Stadtpräsident Reto Müller sagt: «Eishockey gehört zu unserer Stadt. Der Gemeinderat ist gewillt, seinen Beitrag zum Erhalt des Eissports im Nachwuchs-, Damen und Breitensport finanziell und infrastrukturell zu leisten.»

Dem noch bis Ende der Spielzeit 2022/23 amtierenden SCL VR-Präsident Gian Kämpf liegt es besonders am Herzen, allen aktiven Eishockeyspielerinnen und -spielern weiterhin die Möglichkeit garantieren zu können, in Langenthal diesen faszinierenden Sport zu spielen: «Mit dem nun gefällten Entscheid sichern wir das Fortbestehen des SCL und überführen unseren Club in eine neue Zeit.»

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