Zwischen Geschichten und Begegnungen: Die Bibliothek Langenthal

11. Mai 2026
Ein leises Rascheln, Seiten werden gewendet, dazwischen tippt eine Tastatur. Der Duft von Papier und Kaffee liegt in der Luft, Bildschirme leuchten auf, Stimmen füllen den Raum. Für viele ist die Bibliothek ein Ort voller Bücher. In Langenthal ist sie auch Treffpunkt, Lernort und Raum für Austausch – und zeigt, warum sie im digitalen Zeitalter wichtig ist.

Seit 2023 sind die Bibliotheken von Langenthal, Herzogenbuchsee und Huttwil unter dem Dach «Bibliothek Oberaargau» zusammengerückt. Ein einziger Bibliotheksausweis reicht, um an allen drei Orten Medien auszuleihen, zu reservieren oder zurückzugeben. Besuchende können bis zu 25 Medien (Bücher, Comics, Zeitschriften, CDs) aufs Mal ausleihen – das lädt dazu ein, Neues zu entdecken, hineinzulesen und auch einmal ein Buch wieder zur Seite zu legen. Die Bibliothek Langenthal dient zugleich als Regional-, Stadt- und Schulbibliothek (fürs Kreuzfeld). Sie bietet den grössten Bestand sowie die längsten Öffnungszeiten der drei BOA-Standort an und zählt rund 6000 eingeschriebene Personen.
 

Ein Beruf zwischen Regalen und Menschen
Das Bibliotheksteam besteht aus sieben Fachfrauen, die sich insgesamt 405 Stellenprozente teilen. Neben der Freude am Lesen verlangt die Arbeit in der Bibliothek hohe Kommunikationsfähigkeit, Interesse an Informationstechnologien, Organisationstalent sowie mündliche und schriftliche Sprachgewandtheit und hohe Zuverlässigkeit.
Kein Tag gleicht dem anderen: Das Team wählt Bücher aus, verarbeitet Medien, empfängt und berät Kundinnen und Kunden, organisiert Veranstaltungen und packt praktisch mit an – vom Technikaufbau bis zum Apéro.
Monika Hirsbrunner arbeitet bereits seit 2005 in der Bibliothek. Auf die Frage, welches Buch sie aktuell empfehle, antwortet sie jeweils pragmatisch: Am Abend, wenn die Müdigkeit kommt, empfiehlt sie eher einen Krimi oder einen leicht lesbaren Roman.

Ständig in Bewegung
Rund 60% der gegen 40’000 Medien stehen in den Regalen – und das Angebot bleibt in Bewegung. Fast täglich treffen neue Medien ein. Veronika Luck ist seit einem Jahr im Betrieb und kümmert sich um die Ausrüstung der Bücher. Sie versieht diese mit Chips, klebt Signaturschilder auf und foliert sie. Anschliessend werden die Bücher im Katalog erfasst, damit sie zur Ausleihe bereitstehen.
Jährlich erneuert die Bibliothek ihren Bestand um rund 4000 Medien. Gleichzeitig müssen ältere Werke weichen, denn der Platz ist begrenzt.
Neben Büchern, Comics, Zeitschriften und Zeitungen umfasst das Angebot auch Filme, Games und Musik-CDs. Besonders gefragt sind die Tonies – kleine Figuren, die Geschichten hörbar machen und vor allem bei Kindern beliebt sind.

Das Buch bleibt – trotz Bildschirm
Digitale Medien haben das Lesen verändert. Doch sie verdrängen das gedruckte Buch nicht – im Gegenteil: Sie sind keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Trends auf Plattformen wie TikTok bringen besonders Jugendliche dem gedruckten Wort wieder näher. Während E-Books, Hörbücher und Online-Zeitungen flexibel verfügbar sind, bleibt das physische Buch ein Erlebnis für sich.
In Langenthal zeigt sich diese Entwicklung konkret: Die Onleihe (online Ausleihe) digitaler Medien – ob E-Books, Hörbücher oder Zeitschriften – erfolgt über die Digitale Bibliothek BernExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.. Die eMedien lassen sich auf verschiedene Geräte wie Tablets, E-Reader oder Smartphones übertragen. Vor Ort unterstützt das Team bei Fragen – etwa, wenn ein E-Reader nach einem Update nicht mehr wie gewohnt funktioniert.
Gerade für Kinder bleibt das gedruckte Buch zentral. Es fördert ihre Entwicklung und stärkt Feinmotorik, Konzentration und Sprachgefühl.

Treffpunkt statt stiller Saal
Wer die Bibliothek betritt, merkt schnell: Es geht nicht nur ums Ausleihen. Hier begegnen sich Menschen. Und nicht alle kommen wegen der Bücher. Manche setzen sich hin, trinken einen Kaffee, lesen Zeitung oder bleiben, weil es sich gut anfühlt.
Im kleinen Café klappern Tassen, Laptops klappen auf, Gespräche entstehen. Jugendliche lernen gemeinsam, vergleichen Notizen, diskutieren leise. Andere ziehen sich zurück, arbeiten konzentriert oder streifen durch die Regale auf der Suche nach etwas Neuem.
Auch die Veranstaltungen bringen Bewegung ins Haus. Lesungen, Kurse, Lesekreise oder Shared Reading (gemeinsames Lesen in der Gruppe) holen unterschiedliche Menschen zusammen. Texte werden gelesen, spontan besprochen, Gedanken ausgetauscht.
Die Bibliothek ist kein stiller Rückzugsort mehr – sie ist ein öffentlicher Raum, der lebt.

Warum Bibliotheken wichtig bleiben
Bibliotheken leisten mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Sie tragen zur Bildung und zur sinnvollen Freizeitgestaltung bei, vermitteln Kultur und fördern die Lesefähigkeit – eine Grundlage für vieles im Leben. Wer liest, versteht Zusammenhänge und bildet sich eine Meinung.
Die Mischung aus analogen und digitalen Angeboten trifft einen Nerv der Zeit. In einer Welt voller Bildschirme wächst das Bedürfnis nach echten Orten und Begegnungen mit Menschen.

Herausforderungen und Zukunft
Doch es gibt auch Herausforderungen. Viele Stellen in Bibliotheken sind Teilzeitstellen, der Arbeitsmarkt ist knapp. Dazu kommen Einsätze am Abend und am Samstag. Und immer wieder taucht die grosse Frage auf: Braucht es Bibliotheken noch, wenn Wissen jederzeit online verfügbar ist?
Die Antwort liegt im Raum selbst. Öffentliche Bibliotheken sind keine reine Wissensspeicher. Sie sind Orte der Begegnung, des Austauschs, der Integration. Ein Blick in den Norden zeigt, wohin die Reise gehen kann: Bibliotheken entwickeln sich zu offenen Treffpunkten, die Menschen und ihre Bedürfnisse ins Zentrum stellen. Räume zum Lernen, Diskutieren, Sein.

Ein Ort mit Zukunft
Regal an Regal reiht sich, beschriftet mit Wegweisern wie «Belletristik» oder «Sachbücher». Doch zwischen all den Büchern passiert mehr: Menschen entdecken Neues, finden Antworten, kommen ins Gespräch. Die Bibliothek ist nicht nur ein Ort voller Geschichten – sie schreibt jeden Tag neue.

 

Aus dem Angebot

Lesungen mit Autoren
Die Bibliothek lädt regelmässig zu Lesungen ein. Autorinnen und Autoren stellen ihre Werke vor, lesen daraus und kommen mit dem Publikum ins Gespräch.

Shared Reading
Beim Shared Reading treffen sich Menschen, um Kurzgeschichten oder Gedichte direkt vor Ort zu lesen und zu besprechen. Mitmachen oder zuhören – ganz ohne Vorbereitung.

Lesetandem
Das Lesetandem begleitet Kinder während eines Schuljahres beim Lesen. Freiwillige treffen sich wöchentlich mit ihnen in der Bibliothek. So wächst nicht nur die Lesekompetenz, sondern auch die Freude an Geschichten.

Saatgutbibliothek
Die Saatgutbibliothek funktioniert, wie ein offenes Tauschsystem: Wer Samen bringt, darf neue mitnehmen. Erlaubt sind Bio-Samen heimischer Pflanzen – darunter auch seltene Sorten.

BadiBibliothek
Im Sommer richtet die Bibliothek eine kleine «Filiale» im Schwimmbad ein. In der BadiBibliothek können Bücher kostenlos vor Ort gelesen werden. Für Kinder finden während der Sommerschulferien Geschichtenstunden im Freien statt.
 

Weitere Informationen, Öffnungszeiten und Preise: www.b-oa.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.
Instagram: bibliothek_langenthal_boaExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

 

Monika Hirsbrunner arbeitet bereits seit 2005 in der Bibliothek und leitet das siebenköpfige Bibliotheksteam noch bis zu ihrer Pensionierung in einem Jahr.